
Der Name „Haus der Erinnerungen“ (Maison des Mémoires) wurde dem Haus Nr. 53 der Rue de Verdun erst vor kurzem verliehen und ist begründet in dem Gedenken an Joë Bousquet, der 1918 schwer verletzt wurde und bis zu seinem Tod 1950 querschnittsgelähmt blieb. Der verletzte Dichter zog 1925 in den Mittelteil dieses Gebäudes ein, wo er sich in ein bis heute unverändert belassenes Zimmer mit stets zugezogenen Fensterläden zurückzog, sich dem „geistigen Leben“ widmete und große Schriftsteller, wie René Nelli, André Gide, Louis Aragon, Jean Paulhan u. a., empfing. Das vor kurzem restaurierte Gebäude ist um einiges älter. Die entferntesten Häuser der Rue de Verdun gehen auf das 17. oder sogar 16. Jahrhundert zurück, während der neueste Teil, der diese Verkehrsader säumt, zumindest teilweise im 18. Jahrhundert entstanden ist.
Am 29. August 1764 wurde der gesamte Bau bestehend aus „Haus, Nebengebäude und angrenzende Stallungen als eine Einheit“ von Pierre Dupré erstanden. Die kurze Beschreibung in der notariellen Urkunde verweist auf die drei Einheiten, die heute noch erkennbar sind, und die zwei Hofräume, die diese trennen. Der Verkauf erfolgte zu einem Preis von 15.000 Livre und die Urkunde gibt an, dass die Wohnung drei schöne Zimmern umfasste (Speisezimmer mit Wandbehang, Salon und Schlafzimmer), die jeweils mit einem Kamin und einem vergoldeten Kaminspiegel ausgestattet waren. Insgesamt gab es zehn Kaminplatten, also etwa zehn Zimmer. Die Einrichtungsgegenstände im Wert von 700 Livre sind verschwunden, doch die herrlichen französischen Zimmerdecken aus dem 16. und 17. Jahrhundert im ersten Stock sind noch immer zu bewundern.
Pierre Dupré leitete seit 1759 zusammen mit seinem Geschäftspartner Jean-Jacques Fornier die königliche Manufaktur von La Trivalle. Im Jahre 1764 machte er sich jedoch als Kaufmann und Hersteller selbstständig und stieg schon bald mit seinem Sohn Joseph zu einem der größten, örtlichen Unternehmer mit einem Jahresumsatz von rund 100.000 Livre auf. Er wurde daher 1775 zum Ersten Konsul ernannt. Sein Sohn wurde 1789 Mitglied der Ständeversammlung und dann von 1791 bis 1792 Bürgermeister von Carcassonne. Die königlichen Manufakturen, wie die von La Trivalle, trugen weniger als 15 % zur regionalen Gewebeherstellung bei. Das meiste Tuch wurde von Unternehmen, wie dem von Depré produziert. Wie die rund fünfzig anderen Tuchhändler und -fabrikanten der Stadt in der Mitte des 18. Jahrhunderts leitete auch Depré sein Unternehmen auf dieselbe Weise wie Jean-François Boyer im Hôtel Franc de Cahuzac. Dieses System hatte zwei Vorteile. Die Investitionen des Herstellers in Material beschränkten sich auf ein Minimum, da dieses den Arbeitern gehörte oder von ihnen vermietet wurde, wohingegen sich die Maschinenkosten in einer königlichen Manufaktur auf rund 8.000 Livre beliefen. Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten stellte sich für den Unternehmer nicht das Problem der Entlassungen. Er erteilte den Arbeitern, die von ihm abhängig waren, einfach keine Aufträge mehr.
Joseph Dupré zog sich während der Französischen Revolution aus dem Geschäftsleben zurück und 1827, vier Jahre nach seinem Tod, ging das Haus in den Besitz von Portal de Moux über. Es wurde bis zum Jahr 1934 zum Sitz des Cercle du Salon, einem Treffpunkt für die höher gestellten Schichten der Stadt Carcassonne. Diese Entwicklung ist symbolisch, denn die Mitglieder dieses Kreises waren Gutsbesitzer und Personen mit eigenem Vermögen, die Nachkommen der Hersteller aus dem 18. Jahrhundert, während die lokale Textilindustrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor. Die verschiedenen Gebäudetrakte beherbergen heute ein Museum, das Joë Bousquet gewidmet ist, die Gruppe für Forschung und Ethnologie des Departements Aude, das Zentrum für Forschung und Studium der Katharer und mehrere Ausstellungsräume, die es zu einem bemerkenswerten kulturellen Zentrum machen.
Claude Marquié – Carcassonne; Hôtels et maisons du Moyen Age à la Révolution - Amicale laïque de Carcassonne – 1998.
Site Officiel de l'Office de Tourisme et de la ville de Carcassonne - www.carcassonne.org
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